
Wir in den Büntedörfern

Brennpunkt Kläranlage Haste: Biber vs. Infrastruktur
Die Kläranlage in Haste ist das technische Rückgrat der Abwasserentsorgung für weite Teile unserer Samtgemeinde Nenndorf. Doch die Lage am Rande des wasserreichen Waldgebiets macht sie zum Ziel für eine stetig wachsende Biber-Population.
Warum ist die Kläranlage so attraktiv für Biber?
Der Zuzug aus der Rodenberger Aue führt die Tiere direkt zu den Auslaufgräben der Kläranlage. Hier finden sie:
Ganzjährigen Wasserfluss:
Auch in trockenen Sommern führt der Kläranlagen-Auslauf Wasser.
Nährstoffreiche Ufervegetation:
Die Pflanzen am Grabenrand wachsen durch das gereinigte, nährstoffreiche Wasser besonders üppig – ein Schlaraffenland für Biber.
Die technischen Probleme für die Samtgemeinde
Wenn Biber in unmittelbarer Nähe der Anlage bauen, entstehen drei Hauptprobleme:
Der Rückstau-Effekt:
Ein Damm im Abflussgraben (Vorfluter) lässt den Wasserspiegel so weit steigen, dass das gereinigte Wasser nicht mehr abfließen kann. Es drückt zurück in die Anlage und stört die biologischen Klärprozesse.
Fremdwasser-Druck:
Durch die Anstauungen im Wald steigt das Grundwasser. Dieses sickert in das Schmutzwasserkanalnetz der Samtgemeinde ein. Die Kläranlage muss dann enorme Mengen „sauberes“ Wasser unnötig mitreinigen, was die Energiekosten massiv erhöht.
Damm-Stabilität:
Die Erdwälle der Klärbecken sind gefährdet, wenn Biber anfangen, dort Wohnhöhlen zu graben.
Was ist zu tun? (Der Maßnahmenkatalog)
Da ein einfaches Entfernen der Tiere aufgrund des ständigen Nachschubs aus der Aue nicht funktioniert, setzt die Samtgemeinde auf technische Biber-Resilienz:
✅ 1. Sicherung der Auslaufbauwerke
Alle Rohre, die aus der Kläranlage in die Gräben führen, müssen mit Biber-Schutzgittern versehen werden. Diese verhindern, dass Biber in die Rohre einschlüpfen oder diese als Fundament für ihre Dämme nutzen.
✅ 2. Installation von "Bibertäuschern"
In bestehende Dämme unterhalb der Kläranlage werden versteckte Drainagerohre (sog. Bibertäuscher) eingebaut. Diese garantieren einen Mindestdurchfluss des Wassers, selbst wenn der Biber den Damm oben weiter ausbaut.
3. Bauliche Ufersicherung
Besonders sensible Deichabschnitte der Klärbecken müssen durch Steinschüttungen oder Metallgitter im Boden geschützt werden, um ein Untergraben durch die Tiere unmöglich zu machen.
4. Priorisiertes Damm-Management
Im Bereich der Kläranlage gilt: Sicherheit geht vor. Gemäß dem niedersächsischen Biber-Management darf hier bei Gefahr für die Anlage schneller eingegriffen werden als im freien Wald. Ein engmaschiges Monitoring durch die Mitarbeiter des Abwasserverbandes ist hierfür Pflicht.
Fazit für die Bürger
Der Biber gehört mittlerweile zu unserer Heimat in Nenndorf. Doch an sensiblen Stellen wie der Kläranlage Haste müssen wir investieren, um unsere Abwassergebühren stabil und unsere Umwelt sauber zu halten. Technik und Natur müssen hier Hand in Hand gehen.
Zwischen Wald und Wasser: Die Geschichte von Reddinger Bruch und Reddinger Weg
Wer heute durch den Norden von Haste spaziert, ahnt kaum, dass er sich auf historisch bedeutsamem Boden bewegt. Die Straßennamen Reddinger Bruch und Reddinger Weg sind weit mehr als bloße Adressen – sie sind das „geologische Gedächtnis“ unserer Gemeinde.
Wo der Wald einst „nasse Füße“ hatte
Der Name „Bruch“ (abgeleitet vom althochdeutschen bruoh) verrät uns sofort, wie es hier früher aussah: Es war ein feuchtes, sumpfiges Gelände.
Bevor die moderne Entwässerung und Besiedlung Einzug hielten, war dieser Bereich ein direkter Ausläufer des Haster Waldes. Historische Karten der Kurhannoverschen Landesaufnahme (um 1780) zeigen hier ein tiefgelegenes Sumpfwaldgebiet, das für Reisende damals kaum passierbar war.
Die wilde Natur:
Erlen, dichtes Gebüsch und wasserliebende Pflanzen prägten das Bild des Reddinger Bruchs.
Die Nutzbarmachung: Durch gezielte Entwässerung (Melioration) über Gräben in Richtung Westaue wurde das Land im 19. und 20. Jahrhundert schrittweise trockengelegt. Erst dadurch konnten der Reddinger Weg und die angrenzenden Wohngebiete entstehen.
Ein Erbe der Rodung
Der Namensbestandteil „Reddinger“ (oft auch als Rettinger oder Rödinger zu finden) deutet historisch auf eine Rodung hin. Es beschreibt den harten Prozess, den nassen Wald urbar zu machen, um Platz für Weideflächen und schließlich für unser heutiges Haste zu schaffen.